Zumeist üben wir im Taiji Quan die sogenannte Soloform, eine festgelegte Abfolge von Bewegungen, die wir für uns selbst ausführen – egal, ob wir nun alleine oder in einer Gruppe trainieren. Und natürlich ist es wichtig, Abläufe und Feinheiten von Bewegungen für sich zu trainieren. Übt man jedoch nur auf diese Art, fehlt ein wichtiger Teil des Trainings. Die Partnerübungen des Taiji Quan geben den Übenden wichtiges Feedback im Bezug auf die eigene Körperspannung, das Gleichgewicht und die Wirksamkeit von Bewegungen und helfen, ein Verständnis von Ganzkörperbewegung zu entwickeln.

Die wichtigste Partnerübung im Taiji Quan ist Tuīshǒu (推手), auch Push Hands genannt. Dabei steht man einander zugewandt, und die Hände haben im Bereich der Handgelenke Kontakt. Der eine gibt über die Hand einen Druck zum Zentrum des Partners oder der Partnerin. Nun ist es die Aufgabe des anderen, diesem Druck nicht einfach nur nachzugeben oder zu widerstreben, sondern ihn geschickt aufzunehmen und in der nachfolgenden Bewegung wieder zurückzugeben. Es geht darum, unter Einwirkung von einem zunächst leichtem Druck entspannt, beweglich und im Gleichgewicht zu bleiben.
Tui Shou ist eine festgelegte Routine von aufeinander folgenden Bewegungen, und es werden die vier Grundtechniken des Taiji Quan in der Abfolge: Péng, Lǚ, Àn und Jǐ geübt. Es gibt Tui Shou Übungen mit einer Hand oder mit beiden Händen bzw. Armen.

Im Yang-Stil Taiji Quan gibt es auch noch die Partnerübung des Dàlǚ (大履), einer ebenfalls festgelegten Abfolge von Bewegungen. Diese Übung ist um eine Spur dynamischer als Tui Shou, da auch mit Schrittwechseln und unterschiedlichen Richtungen gearbeitet wird.

ine weitere Partnerübung mit fixer Abfolge ist die Partnerform Sànshǒu (散手). Dabei werden die beiden Teile der Form zunächst als Soloform Páochuí (砲捶, Kanonenfaust) erlernt, und dann mit Partnern geübt. In der San Shou wechseln Angriffs- und Konterbewegungen einander ab. In erster Linie wird dabei das Gefühl für die richtige Distanz und die eigene Ausrichtung in Relation zum Partner oder zur Partnerin trainiert.

Neben den erwähnten Partnerübungen gibt es weitere Möglichkeiten, zu zweit die eigenen Fertigkeiten weiter zu entwickeln: Etwa das Trainieren von Kampf-Anwendungen, welche den einzelnen Bewegungen der Soloform zu Grunde liegen, oder einfache Partner Routinen wie Long Har Quan (Dragon Prawn Boxing) und vieles andere.

Gut angeleitete Partnerübungen sind enorm hilfreich, um die Innere Kraft oder die Elastische Kraft, chinesisch Jin, zu entwickeln. Anstelle von „äußerer“ muskulärer Kraft sollen Übende lernen, den Körper so zu strukturieren, dass Kräfte mit dem geringstmöglichen Aufwand abgegeben und aufgenommen werden können. Dabei wird die Körperspannung in den Armen und vor allem in den Schultern geringer, während eine Vielzahl von kleiner oder „innerer“ Muskeln, welche näher am Knochenskelett liegen, aktiv werden. Dadurch gelingt es, schneller und präziser auf kleineste Veränderungen in Bewegung und Struktur des Gegenübers zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen, um stets im Gleichgewicht zu bleiben.

Partnerübungen sind eine ausgezeichnete Trainingsmethode, um die Qualität der Soloform zu verbessern, die Intention zu schulen und vieles mehr. Es geht beim Training mit Partnern nicht darum Überlegenheit über den anderen zu gewinnen, sondern sich mit Offenheit und Freude gegenseitig den Weg zu einem besseren Verständnis von Taiji Quan zu ebnen.
Bei den Workshops machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Partnerübungen auch ein exzellentes Qigong mit belebender und aktivierender Wirkung sind.

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